VKGD: „Der arbeitsfreie Sonntag ist unersetzlich!"

Norbert Schulze Raestrup: Für uns Christen ist der Sonntag ein Tag der Besinnung, des Gottesdienstes und der Erholung. Symbolfoto: © Fokussiert/stock.adobe.com

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen wollte auf Vorschlag von Minister Karl-Josef Laumann an den Advents-Sonntagen die Geschäfte und Läden öffnen. In der NRW-Corona-Schutzverordnung gab es dazu Regelungen. Sie wurden begründet mit einer Entzerrung des Einkaufverhaltens der Bürger und der Existenz-Sicherung der Geschäfte.

Dagegen klagte die Gewerkschaft ver.di. Das Oberverwaltungsgericht Münster erlaubte die Öffnung der Läden nicht. Der Handelsverband NRW reagierte auf das Urteil vom 24. November. „Wir sind maßlos enttäuscht und fassungslos“, so fasst Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen, die Stimmung des NRW-Einzelhandels zusammen.

Damit hat das Gericht das Verbot der Sonntags-Öffnung bestätigt. Besser sollten wir sagen: Das Gebot eines arbeitsfreien Sonntags. Denn es ist für jeden Menschen wichtig, dass an einem festen Tag in der Woche die Möglichkeit zu Muße, Erholung und Innehalten gegeben wird. Der arbeitsfreie Sonntag gibt gemeinsame freie Zeit für Familie, Freunde, Kirchengemeinde, Sportvereine und kulturelles Leben. Der arbeitsfreie Sonntag ist willkommene Unterbrechung des Arbeitslebens. Unser Sonntag steht im Zusammenhang mit dem jüdischen Sabbat, der allen Menschen einen wöchentlichen Ruhetag schenkte.

Der Sonntag sollte nicht zum Alltag gemacht werden

Für uns Christen ist der Sonntag ein Tag der Besinnung, des Gottesdienstes und der Erholung. Es geht um die Heiligung eines bestimmten Tages. Heiligen heißt: absondern, von den gewöhnlichen Dingen unterscheiden, herausheben. Den Sonntag zu heiligen bedeutet, ihn von den übrigen sechs Tagen zu unterscheiden. Er ist ein anderer Tag, ein besonderer Tag. Der Sonntag darf nicht zum Alltag gemacht werden. In der Heiligen Schrift lesen wir: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt“ (2. Mose 20,9f).

Im Gebot der Sonn- und Feiertagsheiligung geht es um die heilsame Unterbrechung der täglichen Arbeit. Die Heiligung des Sonntags, ja schon die bloße Existenz des Sonntags, erinnert daran: Der Mensch ist nicht allein über seine Arbeit bestimmt. Man wird den Rhythmus von Arbeit und Feier, die Zeit für die Arbeit und die regelmäßige Befreiung von der Arbeit ebenso ernst nehmen müssen wie die Fragen der leiblichen Gesundheit. Die Unterbrechung des Alltags befreit den Menschen und zwingt ihn, anderes zu bedenken. Es gibt schon genügend viele Menschen, die im Interesse der Gesellschaft und für die Allgemeinheit am Sonntag arbeiten müssen.

Sonn- und Feiertagsarbeit leisten in Deutschland derzeit 18 % aller abhängig Beschäftigten. Gut die Hälfte von ihnen verzichtet regelmäßig auf den freien Sonntag.

Die meisten Menschen arbeiten am Sonntag im Gastgewerbe. Hier arbeiten mehr als zwei Drittel der Beschäftigten auch am Sonntag.

Es folgen Gesundheitswesen, Luftfahrt, Schifffahrt, Kultur, Sport und Unterhaltung. Hier muss etwa die Hälfte der Beschäftigten auch am Sonntag arbeiten.

Im produzierenden Gewerbe (z.B. Bäcker) arbeiten am Sonntag etwa 11 %. Sonn- und Feiertagsarbeit ist nicht verwerflich. Sie ist in gewissem Umfang notwendig und vertretbar.

Handel und Gewerbe wünschen aber mehr verkaufsoffene Sonntage – gerade jetzt in der Corona-Krise, um so die Geschäfte in ihrem Bestand zu sichern und den wegbrechenden Umsatz zu erhöhen. Diese vom Handelsverband vorgetragenen Argumente kann jeder verstehen.

Es gilt daneben aber auch zu bedenken: Nach den Worten des Papstes Franziskus muss der Sonntag ein „Raum und eine Zeit für Gott und für den Menschen“ sein. Er muss „der Pflege des familiären, kulturellen, sozialen und religiösen Lebens dienen. Gott selbst ruft den Menschen an diesem Tag zur Ruhe auf.“

Die Teilhabe an kulturellen Gütern, das Erleben von Festen, das gestalten von gemeinsamer Zeit sorgt für Zusammenhalt in der Gesellschaft

Menschen leben immer in Beziehungen: der Familie, der Gemeinschaft von Freunden, der Nachbarschaft, dem sozialen Umfeld. Diese Beziehungen können nur gelingen, wenn gemeinsame freie Zeit gegeben ist. Der Sonntag ist ein Tag der Arbeitsruhe, an dem möglichst viele Menschen zur gleichen Zeit „frei“ haben sollen.

Der Zusammenhalt in überschaubaren Gemeinschaften wie in der Gesellschaft im Ganzen wird nicht allein durch wirtschaftliche Güter gewährleistet; dazu gehört auch die gemeinsame Teilhabe an kulturellen Gütern, das gemeinsame Erleben von Festen und das Gestalten der gemeinsamen Zeit. Gerade in einer mobilen Gesellschaft, in der viele durch ihre Arbeit angespannt sind, ist der arbeitsfreie Sonntag wichtig und unersetzlich. Wenn der Vater seinen „Sonntag“ am Montag hat, die Mutter am Mittwoch und die Kinder am Sonntag, belastet dies die Familie und trägt zur Entstehung von Konflikten bei.

Daher gilt der Einsatz der Kirchen und auch unser Bemühen dem besonderen Schutz des arbeitsfreien Sonntags nach dem Wort des evangelischen Ethikers Trillhaas: „Christen haben allen Grund, diesen Kampf für das Menschsein des Menschen zu führen; denn es ist kaum zu erwarten, dass die in einer gleitenden Arbeitswoche dem einzelnen zugewiesenen privaten Freizeiten, diesem einzelnen als echte Feiertage noch gelingen werden, wenn ihm keine Institution schützend zur Seite steht.“ (Zitat aus der „Ethik“ von Wolfgang Trillhaas)

Norbert Schulze Raestrup, Geschäftsführer des VKGD

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