"Quer gedacht"

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„Man kann vieles außer Kraft setzen, aber die Schwerkraft nicht, die Lichtgeschwindigkeit nicht und andere Fakten auch nicht.“ Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede am 9. Dezember 2020 im Bundestag. Die Worte waren vor allem für die AfD bestimmt, die Corona-Maßnahmen für überflüssig hält. Mitgemeint waren sicher auch all diejenigen, die sich als Corona-Leugner oder „Querdenker“ bezeichnen.

Frau Merkel hat mit diesem Satz das Grundproblem benannt. Eine Gruppe von Menschen ignoriert alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Corona-Pandemie. Die stammen von anerkannten Forschern wie denen des Robert-Koch-Institutes. Diese Menschen laufen aber Menschen hinterher, die höchstens drei Stunden facebook-Studium vorweisen können, es aber offensichtlich besser wissen wie ein Koch Attila oder die plötzlich berühmte Jana aus Kassel. Es geht diesen Leuten ja nicht darum, bestimmte Maßnahmen als besser oder schlechter geeignet zu bewerten. Darüber könnte man ja streiten. Nein, alles wird grundsätzlich ignoriert. Und mehr noch: die ganze Pandemie wird als große Verschwörung einer imaginären Diktatur angesehen, wahlweise als Merkel-Diktatur oder Weltverschwörung zur Ausrottung der Menschheit mit Bill Gates an der Spitze.

Diese Leute dürfen aber eigenartigerweise weitgehend unbehelligt demonstrieren. Wenn sie dabei keine Masken tragen, gibt es schon mal Bußgelder, aber eingesperrt wurde noch niemand dafür. In einer ordentlichen Diktatur würden diese Menschen eingesperrt oder verschwänden, so wie in Belarus.

Manchmal wird eine Demonstration verboten, weil die Demonstranten eben keine Regeln wie Abstand und Maskentragen einhalten.

Das könnte man doch auch tun, wenn man dagegen ist. Und dann klagen die ziemlich quer Denkenden vor den Gerichten dieses vermeintlichen Diktaturstaates, und bekommen sogar immer wieder mal Recht. Was ist das denn für eine Diktatur, die so etwas zulässt? Sie merken, ich nehme dieses Geschwurbel als das, was es ist: Quatsch. Denn tatsächlich leben wir in einem Rechtsstaat.

Nehmen wir einmal für einen Augenblick an, die Corona-Maßnahmen wären übertrieben. Wäre es denn so schlimm, für einige Zeit in der Öffentlichkeit Masken zu tragen, selbst wenn es sich nachher als überflüssig herausstellen würde? Tatsache ist, dass die Wirksamkeit von Masken und Abstand sehr wohl erwiesen ist.

Hier nehmen sich Menschen selbst so wichtig und verbünden sich dabei ungeniert mit Rechtsradikalen, denen die anderen offenbar egal sind. Hauptsache, wir bekommen unser Recht. Christian Ehring hat die Haltung dieser Menschen kürzlich in seiner Satiresendung extra3 gut auf den Punkt gebracht. „Diese Leute demonstrieren für ihre Freiheit ohne Masken und Abstand“, sagte er sinngemäß. „Damit könnten sie am Ende selbst auf der Intensivstation landen. Da haben sie dann sehr wenig Freiheit, sie dürfen nämlich nicht mal mehr selbst atmen.“

Die Kanzlerin sagte in ihrer Rede am 9. Dezember nachdenklich: „Ich weiß nur: Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben, das sollten wir nicht tun.“

Holger Meyer

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