Kinderbibel in Gebärdensprache war aufwändig zu produzieren

Die Bibelgeschichten werden mit Egli-Figuren dargestellt.

Die erste Kinder-Gebärden-Bibel in Gebärdensprache ist jetzt erschienen. Sie wurde veröffentlicht von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Evangelischen Gehörlosenseelsorge (DAFEG).

Und das Beste ist: Jeder kann diese Bibel völlig kostenlos im Internet ansehen! Denn es sind kurze Filme, in denen mit biblischen Figuren Geschichten von Jesus erzählt werden. Beispielsweise die Weihnachtsgeschichte, aber auch die Geschichte vom barmherzigen Samariter und viele andere.

Während ein Film im Hintergrund abläuft, erzählt ein gehörloser Dolmetscher lebhaft die Geschichte. Dazu können die Zuschauer Untertitel einschalten und auch die Erzählung hören.

So ist eine wirklich barrierefreie Kinderbibel entstanden, mit der zum ersten Mal gehörlose Kinder mit ihren hörenden Eltern gemeinsam die Jesusgeschichten ansehen können. Umgekehrt können auch gehörlose Eltern mit ihren hörenden oder schwerhörigen Kindern zusammen die Videos verfolgen.

Aber auch in Schulen sind die Geschichten im Unterricht nutzbar. In einigen Klassen der Schule für Hören und Kommunikation in Krefeld wurde ein neues Video schon in einem digitalen Schulgottesdienst gezeigt. Die Schüler und Lehrerinnen waren ganz begeistert.

Erste Ideen gab es 2002

Von der ersten Idee, eine Kindergebärdenbibel zu veröffentlichen, bis zu dem Moment wo diese besondere Bibel fertig wurde, war es allerdings ein langer Weg. Schon 2002 wurden Monika Greier, Gehörlosenpfarrerin in Moers, und Ulrike Müller, Lehrerin am Berufskolleg für Hörgeschädigte in Essen, von der DAFEG beauftragt zu überlegen, wie die Kinderbibel in Gebärdensprache aussehen sollte.

Sie versuchten, mit Verlagen von normalen Kinderbibeln in Buchform ins Gespräch zu kommen. Diese Bücher sollten verfilmt werden und mit Gebärdendolmetschern versehen werden. Aber immer wieder klappte am Ende irgendetwas nicht und die Gespräche verliefen im Sande.

Später gab es für hörende Kinder auch DVD‘s mit Geschichten von Jesus, aber niemand wollte sich bei einer Kinderbibel mit Gebärdensprache beteiligen. So vergingen 16 Jahre, ohne dass es ein sichtbares Ergebnis gab. Manchmal war das Vorbereitungsteam nahe daran aufzugeben.

2018 gelang der Durchbruch

2018 beschloss Monika Greier, selbst Filme zu drehen. Sie wollte dazu kleine Figuren in Kulissen stellen. Diese Figuren heißen „Biblische Erzählfiguren“ oder auch nach ihrer Erfinderin „Egli-Figuren“. Sie sind biegsam, dadurch voll beweglich und deshalb in ihren Ausdrucksmöglichkeiten vielfältig. Sie werden oft in Kirchengemeinden benutzt, um Geschichten zu veranschaulichen. Die Figuren sind wie Menschen aus der Bibelzeit gekleidet. Das hat den Vorteil, dass sich Kinder gut in die neutestamentliche Vergangenheit hineinversetzen können. Für Gehörlose fällt schnell auf: Die Figuren haben keine Gesichter. Das finden manche zuerst befremdlich, weil die Mimik fehlt. Aber wenn die Geschichte angefangen hat, dann stört es nicht mehr. Denn die Gefühle der Figuren werden durch die Körperhaltung ausgedrückt.

Eines Tages suchte Monika Greier im Internet nach Ideen, wie die Kulissen gebaut werden könnten. Plötzlich sah sie einen Film und rieb sich die Augen. Da hatte ein Mann genau dieselbe Idee gehabt und schon Bibelfilme für Hörende mit diesen biblischen Erzählfiguren gedreht!

Der Mann heißt Gerhard Stahl. Er war viele Jahre Regisseur und hat schon eine Menge Erfahrungen mit verschiedenen Filmen gesammelt. Seine Bibelfilme waren sehr aufwändig und ansprechend gestaltet.

Nach einigen Verhandlungen konnte die DAFEG diese Filme kaufen. Monika Greier wurde zusammen mit Josephine Hoffmann, einer gehörlosen ehrenamtlichen Mitarbeiterin, zum Filmset in die Nähe von Heidelberg eingeladen, um einen Eindruck davon bekommen wie die Filme gedreht wurden.

Großer Aufwand für ein acht Minuten-Video

Sie waren erstaunt, wie groß der Aufwand ist, einen kurzen Film von acht Minuten als Video zu drehen. Bei ihrem Besuch wurde gerade eine Szene gedreht, wo viele Figuren bei einem abendlichen Festmahl aus Anlass des jüdischen Passahfestes zusammen saßen. Die liebevoll gestalteten Kulissen waren schon aufgebaut, in die die biblischen Erzählfiguren einzeln hineingesetzt wurden. Dann mussten die Scheinwerfer so eingestellt werden, dass eine nächtliche Stimmung entstand und erst danach wurde mit einer Kamera gedreht. Es ist genauso wie mit echten Schauspielern, nur sind die Kulissen viel kleiner.

Die fertigen Filme wurden dann der Firma „yomma GmbH“ in Berlin geschickt. Diese Firma wird von Gehörlosen geleitet und hat schon zahlreiche Filme verdolmetscht. Die Mitarbeitenden von „yomma“ haben die Jesusgeschichten mit viel Herz gebärdet und die Untertitel hinzugefügt. Eine Schauspielerin hat dann die Texte für die hörenden Zuschauer vorgelesen. Insgesamt waren also eine Menge Menschen an der Umsetzung der Kindergebärdenbibel beteiligt. Bis jetzt sind zehn Videos fertig. 2021 kommen noch vier Geschichten hinzu.

Eine solche Produktion ist natürlich teuer. 30.000 Euro kosten die Filme zusammen. Aber dafür gibt es 90 Minuten Jesusgeschichten und so ist die Herstellung insgesamt günstig.

Dankenswerterweise haben der evangelische Schwerhörigenverband (ESiD) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Kindergebärdenbibel finanziell großzügig unterstützt.

Bis jetzt sind folgende Jesusgeschichten fertig:

• Die Weihnachtsgeschichte

• Der 12-jährige Jesus im Tempel

• Jesus ruft seine Jünger

• Der verlorene Sohn

• Der barmherzige Samariter

• Jesus und Zachäus

• Jesus segnet die Kinder

• Das große Festmahl

• Das Scherflein der Witwe

• Die Heilung des Gelähmten

2021 kommen dazu:

• Das verlorene Schaf

• Die 10 Aussätzigen

• Die Speisung der 5000 Menschen

• Die Passions- und Ostererzählung.

Auf die Übersichtsseite der Bibelfilme kommt man über www.dafeg.de/kinderbibel.html.

Einen ausführlichen Bericht mit noch mehr Fotos gibt es auf www.dafeg.de.

DAFEG

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