Religiöse Serie: Christliche Gemeinschaften / Teil 1 – Die Baptisten

Logo des Bundes Evangelisch-Freikirchlichler Gemeinden.

In der letzten Reihe haben wir uns verschiedene Religionen angeschaut. Jetzt kehren wir zurück zum Christentun, denn da gibt es vielfältige Gruppen und Gemeinden. Die katholische Kirche kennen Sie alle, die evangelisch-lutherische und die reformierte Kirche auch einigermaßen. Vielleicht wissen Sie auch etwas über die orthodoxen Kirchen. Recht interessant sind die Freikirchen. Von ihnen gibt es sehr viele unterschiedliche.

Warum dieses Thema?

Ich wohne in Cloppenburg. Die Stadt war bis zum 2. Weltkrieg komplett katholisch. Danach kamen evangelische Christen hinzu, meist Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Mit dem starken Zuzug von Russlanddeutschen, besonders in den Neunziger-Jahren, wurde die Kirchenlandschaft sehr bunt. Viele Freikirchen waren auf einmal zu beobachten. Einen starken Block bildete eine Pfingstgemeinde. Doch bald sah man an alten Ladengeschäften und an Hallen Schilder von kleineren und kleinsten Freikirchen. Manche entstanden als Abspaltungen von anderen Freikirchen, manche verschwanden auch bald wieder. Das hat mich dazu gebracht, mich mit den Freikirchen zu beschäftigen.

Ich will natürlich nicht zu jeder winzigen Gemeinschaft etwas sagen, sondern beschränke mich auf solche, die Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sind und damit auch allgemein als christliche Gemeinschaft anerkannt sind. Mit den Baptisten beginne ich.

Die Baptisten

In Cloppenburg gibt es drei Baptistengemeinden. Die älteste wurde von Russlanddeutschen sozusagen mitgebracht. Sie hatten in Russland oder Kasachstan als Baptisten gelebt und wollten das nun weiterhin.

Die Gemeinde wirkt sehr konservativ und abgeschlossen. Dann gründete ein amerikanischer Baptistenpastor eine weitere Baptistengemeinde. Die war und ist offener auch gegenüber anderen Konfessio­nen. Und ihre Spezialität war eine Baseballmannschaft. Schließlich baute eine Evangelisch-Freikirchliche Baptistengemeinde ein Bethaus, von der ich nichts Näheres weiß. Aber was sind Baptisten (wörtlich: Täufer) überhaupt?

Starke Verfechter der Trennung von Staat und Kirche

Baptisten betrachten die Bibel als alleinige Richtschnur für Glauben und Leben. Baptisten sind nach wie vor starke Verfechter der Trennung von Staat und Kirche, der Freiwilligkeit der Mitgliedschaft, der Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie der Glaubenstaufe.

Das „Priestertum aller Gläubigen“ prägt das Gemeindeleben, auch wenn in den meisten Gemeinden ordinierte und dafür ausgebildete Pastorinnen und Pastoren arbeiten. Jede einzelne Gemeinde ist autonom und lebt vom freiwilligen Engagement der Mitglieder und Freunde – auch in finanzieller Hinsicht.

Oberstes Entscheidungsgremium ist die Gemeinde-Versammlung. Der Not seiner Mitmenschen begegnen die Baptisten mit zahlreichen diakonischen Einrichtungen, wie Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindergärten. Mission oder Evangelisation im eigenen Land und weltweit liegt den Baptisten ebenso stark am Herzen.

In der Tradition der Täuferbewegung

Zu einer ersten langfristigen Gemeindebildung kommt es 1609, als eine Schar englischer Dissidenten (Puritaner) in Amsterdam die Glaubenstaufe empfängt. Ein Teil der Getauften kehrt nach England zurück und bildet dort unabhängige Gemeinden. Jede Gemeinde ist für sich selbständig. Ein anderer Teil wandert in die USA aus und setzt sich dort erfolgreich für Religions- und Gewissensfreiheit ein.

In Kontinentaleuropa entsteht im April 1834 die erste Baptistengemeinde nach der Taufe von sieben Männern in der Elbe durch einen amerikanischen Baptisten. Einer der Getauften, Johann Gerhard Oncken (1800 - 1884), gründet kurz darauf in Hamburg die erste „Gemeinde gläubig getaufter Christen“.

Durch rege Missionstätigkeit entstehen in ganz Europa weitere Gemeinden mit zurzeit etwa 770.000 Mitgliedern. Weltweit gehört der BEFG zum Baptistischen Weltbund (BWA) mit ca. 40 Mio. getauften Mitgliedern in über 100 Ländern der Erde, hauptsächlich in den USA.

Die meisten deutschen Baptisten gehören zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Weitere deutsche Baptistengemeinden, zum Teil mit russlanddeutschen Wurzeln, schlossen sich ab den 1980er Jahren in neuen Unionen zusammen.

Zusammenschlüsse und Arbeitsgemeinschaften

Baptisten sind Kongregationalisten, das heißt, dass ihre Gemeinden eigenstämmig sind. Daher spielen regionale und überregionale Bündnisse nur eine untergeordnete Rolle. Sie dienen in erster Linie der Bewältigung von Aufgaben, die eine einzelne Gemeinde nicht leisten kann.

Dazu gehören unter anderem die Mission, die Diakonie und die theologische Ausbildung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Der Name „Baptisten“

Bei dem Namen „Baptisten“ handelt es sich ursprünglich nicht um eine Selbstbezeichnung, sondern um einen Spottnamen, der später als Konfessionsbezeichnung übernommen worden ist. Auch deutsche Baptisten, deren Anfänge auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgehen, taten sich mit dieser von außen kommenden Bezeichnung schwer. Sie nannten sich anfangs „Evangelisch Taufgesinnte (Baptisten) Gemeinden“ oder auch „Gemeinden (gläubig) getaufter Christen“.

Dass die meisten deutschen Baptistengemeinden sich als „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden“ – teils mit dem Zusatz „(Baptisten)“ – bezeichnen, hängt nicht mit der Ablehnung des ehemaligen Spottnamens zusammen, sondern mit einem im Jahr 1942 erfolgten Zusammenschluss der deutschen Baptisten mit zwei anderen Freikirchen. Im Zusammenhang dieser Vereinigung stellten sie ihren Namen in den Hintergrund, führen ihn jedoch in einem Klammerzusatz weiter: „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten)“.

Die biblische Gültigkeit der Säuglingstaufe wurde bereits in vorreformatorischer Zeit – etwa durch die Waldenser – in Frage gestellt. In der Reformationszeit waren es die Täufer. Und auch die heutigen Baptisten sind überzeugt, dass eine Taufe nur dann biblisch und somit gültig sei, wenn die Täuflinge deren Sinn verstanden hätten, selber glaubten sowie die Taufe persönlich begehrten und forderten. Daher werden keine kleinen Kinder, sondern vor allem Erwachsene getauft.

Glaubensleben

Die Gestaltung der Gottesdienste unterliegt keiner bestimmten Liturgie, wird also von jeder Gemeinde individuell gehandhabt. Die Verkündigung des Wortes Gottes steht aber klar im Vordergrund. Meistens teilt sich der Gottesdienst in einen Einleitungsteil, der von Gemeindemitgliedern oder -gruppen gestaltet wird, und einen Predigtteil. Die Predigt kann auch von nicht-ordinierten Mitarbeitenden (meistens Ehrenamtlichen) gehalten werden. Zur Musik im Gottesdienst gehört ein gemeinsamer Gesang der Gemeinde oder ein Chor.

Ein wichtiges Element ist das offene Gebet der Gemeinde, bei dem jeder Gottesdienstbesucher die Möglichkeit hat, laut mitzubeten. Für Kinder wird parallel zum Gottesdienst die Sonntagsschule angeboten.

Die Taufe geschieht durch vollständiges Untertauchen. Für die Taufe gibt es in den meisten Baptistenkirchen ein Baptisterium (Taufbecken). Viele Baptistengemeinden taufen auch gerne in freien Gewässern.

Im Allgemeinen kann man nur als gläubig Getaufter Mitglied einer Baptis­tengemeinde werden.

Das Abendmahl betont die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus. Eingeladen sind alle, die sich mit Gott und Menschen durch Jesus Christus versöhnt wissen.

Es gilt die biblische Mahnung: „Darum prüfe sich ein jeder selbst und esse so von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch!“ (1 Korinther 11).

Meist werden Teller mit gebrochenem Brot sowie Kelche mit Wein durch die Reihen gereicht. Häufig wird dabei aus Rücksicht auf Suchtkranke Traubensaft statt Wein gereicht. Baptisten kommt es nicht so sehr auf die äußere Form des Gottesdienstes an als vielmehr auf die intensive Gemeinschaft mit den anderen Gemeindemitgliedern und Jesus. Deshalb wird in vielen Gemeinden anschließend Kirchenkaffee oder sogar ein gemeinsames Mittagessen angeboten. Gäste sind – abgesehen von den Gemeindeversammlungen, wo über alle wichtigen Fragen des Gemeindelebens entschieden wird – zu allen Veranstaltungen willkommen. Als Orte der persönlichen Begegnung gibt es Hauskreise. Diese bestehen aus etwa 8 bis 10 Personen und treffen sich regelmäßig (meist wöchentlich oder 14-täglich).

Wichtig dabei sind persönliche Anteilnahme an den anderen Mitgliedern und gemeinsames Wachsen im Glauben. Hier kommt auch das „Priestertum aller Gläubigen“ stark zum Ausdruck.

Holger Meyer

Quellen: ACK, Webseiten der Baptisten, Enzyklopädien

<< Zurück zur Startseite

Epheta Info

>> Näheres zu Bezugsbedingungen und Bestellung

Die Medien Partner - Logo

Herausgeber und Verlag

Die MedienPartner GmbH
Verlag epheta
Postfach 1107 - 77901 Lahr
Industriehof 6 - 77933 Lahr

Tel.: 07821 949925
Fax: 07821 42478

loeffel@die-medienpartner.de

Redaktionsleitung

Holger Meyer
Dwergter Str. 3
49696 Molbergen

Tel.: 04475 9278412
Fax: 03212 1235767
Fax: 04475 9278498

epheta@meyer.net