Religiöse Serie: Christliche Gemeinschaften - „ADVENTISTEN“

Adventsgemeinde in Gelnhausen.

Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten

Als Folge von geistlichen Erweckungen bildete sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) 1863 in den USA. Die Adventisten sind eine evangelische Freikirche. Sie bekennen die Kerninhalte des biblischen Glaubens: Jesus Christus allein bringt das Heil; nur Gottes Gnade kann uns retten; allein der Glaube zählt vor Gott; nur die Bibel besitzt letzte Autorität.

Adventistische Christen erwarten die Vollendung des von Jesus verkündeten Reiches Gottes bei seiner Wiederkunft (lat.: adventus).

Das Vertrauen auf die bibli­sche Zusage vom Kommen Gottes und von einer neuen Erde macht sie zu „Adventisten“ – zu Menschen mit der festen Hoffnung: Jesus Christus kommt wieder.

Die Hoffnung auf Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit für alle findet ihren Ausdruck im Sabbat, dem siebten Tag der Woche. Er erinnert an die Schöpfung und Erlösung durch Jesus Christus und weist hin auf die kommende Vollendung. Der Sabbat bietet Befreiung vom Alltagsstress – Zeit für andere, für sich selbst und für Gott. Nicht die geleis­tete Arbeit sichert unseren Wert, sondern das Eintreten in die Gemeinschaft mit Gott. Adventisten sind deshalb „Siebenten-Tags-Adventisten“.

Die Mitgliedschaft in der Freikirche setzt das Bekenntnis zu Jesus und die eigene Taufentscheidung voraus.

Mitglieder

In Niedersachsen gibt es 61 Adventgemeinden. Adventisten sind als Weltkirche mit ca. 25 Millionen Mitgliedern organisiert. Die Generalkonferenz mit Sitz in Maryland / USA ist ein parlamentarisches, gewähltes Gremium, dem ein Präsident vorsteht. Sie ist für die Einheit im Glauben und Lehrfragen zuständig. In Niedersachsen gibt es 61 Adventgemeinden mit 3.800 Gemeindegliedern.

Die sogenannten Vereinigungen in Deutschland umfassen ein oder mehrere Bundesländer. Auf dieser Ebene erfolgt die unmittelbare Kirchenarbeit, hier sind die Pastoren angestellt und werden den einzelnen Kirchenbezirken zugewiesen.

Gottesdienst

Der Gottesdienst am Samstag dauert in der Regel zwei Stunden. Es gibt Gruppengespräche zu einem biblischen Thema, danach hört die Gemeinde eine Predigt. Gesang, Textlesungen, Gebete, persönliche Glaubenszeugnisse, sowie besondere Kinder- und Jugendstunden sind ebenso feste Bestandteile während des Gottesdienstes.

Zu den Hauptelementen des adventistischen Gottesdienstes zählen neben Predigt und Gespräch auch die Anbetung – der Lobpreis Gottes durch Lesungen, Lieder, Gebete usw. – und das Erleben von Gemeinschaft. Letzteres spiegelt Leben und Lebendigkeit einer Familie wider, in der keiner übersehen wird und jeder willkommen ist. Da wird Jubilaren gratuliert, Kinder werden gesegnet, Erfahrungen berichtet, Fürbitten geäußert usw. Nach dem Gottesdienst wird ab und zu auch miteinander gegessen und so die christliche Liebesgemeinschaft vertieft.

Nicht feste liturgische Formen, sondern vor allem kommunikative Elemente bestimmen somit den Charakter des Gottesdienstes in einer typischen Adventgemeinde. Dies entspricht der Sicht, die Adventisten von Gott haben: Gott ist kein bloßes Prinzip, kein unpersönlicher Weltgeist, kein unnahbarer Herrscher, sondern ein liebevoller Vater und ein persönlicher Freund, der mit uns Menschen ist – bei uns und in unserer Mitte. Wie kaum etwas anderes bezeugt der Gottesdienst auf vielfache, aber übereinstimmende Weise: „Gott ist hier!“

Das Abendmahl wird in der Regel vierteljährlich als offenes Abendmahl mit Fußwaschung gefeiert.

Gemeindeleben

Die Gemeinden leben vom Engagement ihrer Mitglieder. STA setzen in der Gestaltung ihres Gemeindelebens ganz auf das Engagement ihrer Mitglieder und berufen sich dabei auf ihr biblisches Verständnis, dass jeder Gläubige mit geistlichen Gaben beschenkt ist und somit seine Gemeinde unterstützt und aufbaut. Daher können einzelne Ortsgemeinden ihrer Umwelt auch ganz unterschiedliche soziale, karitative oder geistliche Angebote präsentieren.

Siebenten-Tags-Adventisten finanzieren sich ausschließlich durch freiwillige Spenden ihrer Gemeindeglieder.

Entstehung: William Miller

Der baptistische Prediger William Miller (1782?-?1849) aus Pittsfield, Massachusetts, berechnete auf der Grundlage der apokalyptischen Zeitangaben des Buches Daniel und einiger Jesusworte im Neuen Testament (besonders Matthäus 24 LUT) den Zeitpunkt der Wiederkunft Christi zunächst für den Herbst 1843, sodann für den 21. März 1844 und schließlich für den 22. Oktober 1844. Er fand viele Anhänger in den unterschiedlichsten Kirchen. Viele mussten aufgrund ihres Glaubens an die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft ihre angestammten Kirchen verlassen. Nach dem Ausbleiben dieses Ereignisses zerfiel die nach ihm benannte Bewegung in verschiedene Gruppierungen, die auch theologisch unterschiedliche Richtungen einschlugen. Nachdem auch 1851 verstrichen war, ohne dass es, wie wiederum angekündigt, zu einer Wiederkunft Christi gekommen wäre, nahm man allgemein von weiteren konkreten Datierungen Abstand.

Ellen G. White

Ellen G. White (1827-1915) war Mitbegründerin der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und gilt in dieser als „Bote“ bzw. „Botin“.

Ihre zahlreichen Schriften prägen die Freikirche bis heute. Die Kirche glaubt, dass sie ein fortwirkender, bevollmächtigter Ausdruck der Wahrheit sind und zu Trost, Führung, Unterweisung und Zurechtweisung taugen. Die Kirche betont, dass ihre Lehre nicht auf Ellen White zurückgeht; Ellen White habe die Lehren der Adventisten nachträglich (zum Teil durch Visionen) bestätigt und ihnen damit innerhalb der Gemeinschaft Geltung verschafft. Sie betont weiterhin, dass die Schriften von Ellen White nicht gleichwertig mit der Bibel seien.

Ellen White wies auch selbst darauf hin, dass man ihre Schriften nicht über oder gleichrangig neben die Bibel stellen solle, da ihre Botschaften nichts Neues brächten, sondern nur auf vergessene oder zu wenig berücksichtigte Bibelstellen hinwiesen. Ihre Schriften heben hervor, dass die Bibel der Maßstab ist, an dem alle Lehre und Erfahrung geprüft werden muss.

In Europa sind die meisten Adventhäuser eher schlicht eingerichtet. Die typische Kirche gibt es selten.

In Deutschland existieren davon nur drei, die anderen Gemeinden haben meist schlichte Gemeindehäuser oder Räumlichkeiten.

Adventistische Kirchen und Glaubensgemeinschaften

Die adventistische Bewegung hat im Lauf ihrer Geschichte eine große Zahl unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften hervorgebracht. Nicht alle verweisen darauf in ihrem Namen. Einige der neu entstandenen Gemeinschaften versuchen, zu den ursprünglichen Lehren zurückzukehren; sie verstehen sich als Reformadventisten. Andere distanzieren sich vom alten adventistischen Glaubensgut und sehen sich heute als eine der vielen evangelischen Freikirchen. Manche der aus dem Adventismus hervorgegangenen Gruppierungen haben sich zu exklusiven religiösen Gemeinschaften entwickelt. Dazu gehören unter anderem die Zeugen Jehovas.

Weltweit

1961 hatte die Kirche nach eigenen Angaben zum ersten Mal mehr als 1 Million Mitglieder, zur Jahrtausendwende verkündete sie eine Mitgliederzahl von 10 Millionen.

Per 31. Dezember 2016 zählte man 20.008.779 Mitglieder. Die Zahlen beziehen sich nur auf getaufte Mitglieder. Kinder aus adventistischen Familien sind nicht mitgezählt. Zusammen mit den noch nicht getauften Kindern und Jugendlichen besuchen weit über 30 Millionen Menschen die adventistischen Gottesdienste.

Zum Vergleich der Größenordnung: Weltweit gibt es derzeit etwa 71 Millionen Lutheraner.

Lehre

In weiten Teilen ähnelt die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten der Lehre von anderen protestantischen und insbesondere baptistischen Kirchen.

So gilt die Bibel als die einzige religiöse Autorität. Es gibt aber auch einige charakteristische Unterschiede.

• Glaubensartikel

Die Lehre wird derzeit in 28 Glaubenspunkten offiziell beschrieben. Diese Glaubens­punkte beschreiben unter anderem das Gottesverständnis, die Rolle Jesu Christi, die Dreieinigkeit, das Bibelverständnis, die Lehre vom Sabbat, von der Gemeinde (Kirchenverständnis), von der Gemeindefinanzierung, vom christlichen Lebensstil, von Tod und Auferstehung, von der Endzeit, der damit verbundenen Wiederkunft Christi und der neuen Erde. Gemäß dem Vorwort der Glaubensartikel sind diese nicht statisch, sondern können und sollen je nach Erkenntnisstand durch eine Vollversammlung der Generalkonferenz angepasst werden.

• Zeit des Gerichts

Adventisten sind der Auffassung, dass seit dem 22. Oktober 1844 das Untersuchungsgericht im Himmel stattfindet. Hierbei werden alle bekennenden Gläubigen (von Adam und Eva an) untersucht und all jene in das Buch des Lebens eingetragen, welche den Glauben an Jesus Christus bewahrt haben. Sie glauben an die Sündenvergebung.

• Sabbat

Anders als die Mehrzahl der christlichen Kirchen, die den Sonntag für den regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienst nutzen, beachten die Siebenten-Tags-Adventisten den Samstag – den nach abrahamitischer Zählung siebten Tag der Woche – als gottesdienstlichen Ruhetag, der nach dem hebräischen Wort im Urtext als Sabbat bezeichnet wird. Der Sabbat beginnt freitags mit dem Sonnenuntergang und endet samstags ebenfalls mit dem Sonnenuntergang. Die Freikirche beruft sich dabei auf den Schöpfungsbericht (1 Mose 2,3): „... und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn“ und das vierte der Zehn Gebote (2 Mose 20,8–11), in dem die Heiligung und das Gedenken des Sabbats von Gott geboten wird: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest ...“.

Siebenten-Tags-Adventisten weisen darauf hin, dass auch Jesus nach seiner Gewohnheit am Sabbat den Gottesdienst besuchte (Lukas 4,16) und die Gültigkeit des Sabbats über seine Himmelfahrt hinaus festlegte (Matthäus 24,20): „Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.“

Die Sonntagsheiligung dagegen wird im Neuen wie Alten Testament nirgendwo geboten.

Auf Grund antijüdischer, heidnischer und politischer Einflüsse habe der Sonntag erst später die Sabbatfeier verdrängt. „Diese Untersuchung zeigt, dass die Übernahme des Sonntags anstelle des Sabbats nicht in der urchristlichen Gemeinde von Jerusalem durch die Vollmacht apostolischer Autorität geschah, sondern schätzungsweise ein Jahrhundert später in der Kirche von Rom.“

Erst nachdem Kaiser Konstantin am 7. März 321 den Sonntag zum gesetzlichen Feiertag erklärte, sei er auch von den Christen als Ruhetag betrachtet worden.

„Zum Anfang des 4. Jh. erscheint die Sonntagsheiligung als kirchliches Gebot.“

Adventisten sehen den Samstag als eine Zeit der Ruhe, die Zeit für die Gemeinschaft mit Gott und mit dem Nächsten bietet. Er ist für sie nicht nur ein Gedenktag der Schöpfung, sondern auch ein wöchentliches Erinnern an die Erlösung in Christus, die Neuschöpfung des gläubig gewordenen Menschen.

Darüber hinaus bietet er den Ausblick auf die Ruhe der Erlösten im Reich Gottes (Hebräer 4,3–10).

• Taufe

Die Siebenten-Tags-Adven­tisten praktizieren (wie auch viele andere Kirchen) die Glaubenstaufe durch Untertauchen. Sie sind der Auffassung, dass die persönliche Umkehr zu Gott, der persönliche Glaube an Jesus Christus als den Erretter und die bewusste Entscheidung Grundvoraussetzungen für die Taufe sind. Sie betrachten die Glaubenstaufe als Voraussetzung für die Mitgliedschaft. Vor der Taufe erfolgt ein gründliches adventistisches Bibelstudium. Die Gemeinde hat ein Recht darauf, Glaubensbekenntnis und Haltung der Person kennenzulernen, die in die Gemeinde aufgenommen werden möchte. Daher stellt sich der Taufkandidat in der Regel der Gemeinde oder dem Gemeindeausschuss vor und kann dabei seinen Glauben bekennen.

Die Taufe erfolgt in Taufbecken, die bei größeren Gemeindehäusern in den Gottesdienstsaal eingebaut sind, oder bei geeignetem Wetter auch in Flüssen oder Seen. Gleichzeitig mit der Taufe erfolgt die Aufnahme in die Gemeinde.

Der Übertritt in die Freikirche ist ohne erneute Taufe möglich, wenn eine vorherige Glaubenstaufe aus einer anderen Kirche vorliegt. Eine als Säugling oder Kleinkind empfangene Taufe (Kindstaufe) wird nicht anerkannt.

• Hölle und der Zustand der Toten

Hinsichtlich der Hölle und des Zustandes der Toten vertreten die Siebenten-Tags-Adventisten den Standpunkt des Annihilationismus: Sie betrachten den Tod als einen Zustand des Schlafs und begründen dies mit Bibelstellen wie Kohelet 9. Diese Zeit endet mit der Auferstehung, die zur Wiederkunft Christi geschieht. Es schließt sich dann das Jüngste Gericht an. Dieses endet für die Gottlosen nicht mit einer ewigen Qual in einer feurigen Hölle, sondern mit der endgültigen Vernichtung bzw. Auslöschung – wobei die formale Zugehörigkeit zu den Siebenten-Tags-Adventisten keine automatische Rettung bedeutet und auch Angehörige anderer Kirchen Rettung finden werden: Allein der lebendige Glaube an Jesus Christus als Erlöser und Herrn ist entscheidend, wobei die Gläubigen sich nicht anmaßen sollen, entsprechende Urteile über andere Menschen zu sprechen.

Lebensführung

Die Siebenten-Tags-Adventisten fassen den menschlichen Körper als ein Haus Gottes auf (1 Korintherbrief 6,19–20), daher legen sie hohen Wert auf eine gesunde Lebensführung und sollen Alkohol, Tabak und andere Rauschmittel meiden.

Zudem werden einige der biblischen Speisegebote eingehalten; Adventisten essen daher beispielsweise kein Schweinefleisch, kein Pferdefleisch, kein Kaninchenfleisch und keine Schalentiere (Muscheln, Krabben).

Viele Siebenten-Tags-Adventisten ernähren sich vegetarisch. Insgesamt sollen Adventisten ein Leben führen, das weder ausschweifend noch asketisch ist.

Amtsträger

Alle Dienste werden demokratisch bzw. (kirchen-)parlamentarisch gewählt. Die Kirche hat sich mit dem von der Weltkirchenleitung veröffentlichten Gemeindehandbuch eine Verfassung gegeben, in der Organisation und Wahlen, die einzelnen Dienste (Älteste, Bibelgesprächsleiter, Diakone, Pastor etc.) ebenso wie Fragen der Mitgliedschaft (Taufe, Aufnahme, Austritt, Ausschluss, Umzug) und der Lehre geregelt sind.

Holger Meyer

Quellen: Webseiten der Adventisten, ACK, Enzyklopädien u.a.

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