Medikamente und Impfungen wie beim Schlussverkauf?

Symbolfoto: © marchsirawit/stock.adobe.com

Vor Jahrzehnten gab es noch Schlussverkäufe: es waren „WSV“ und „SSV“ – und oft gab es eine große „Schlacht“. Haben Sie, habt Ihr das auch erlebt? Es gab etwas Billiges und manchmal fast Schlägereien um die billige Kleidung usw. am Grabbeltisch. Ich denke, viele kennen die Bilder: in einem Geschäft können sich manche Menschen nicht benehmen; sie reißen sich um die Waren. Sie stoßen andere weg. Sie denken nur an sich.

Die USA kaufen ein Medikament ...

Ich musste daran denken, als ich vor ein paar Tagen gelesen habe: „USA kaufen weltweite Bestände von möglichem Corona-Medikament auf“.

So hat die Zeitschrift „Spiegel“ geschrieben. Für den Rest der Welt würde nur sehr, sehr wenig übrig bleiben. Es geht um das Medikament mit dem Namen „Remdesivir“. Remdesivir sollte früher eine Medizin gegen eine andere schlimme Krankheit, Ebola, helfen. Jetzt gab es eine Überraschung: wer an der Corona-Krankeit schwer erkrankt ist, kann durch Remdesivir gute Unterstützung bekommen. Manche Menschen werden schneller wieder gesund, ungefähr vier Tage. Das kann bedeuten, die Krankheit wird nicht so schlimm, dass z.?B. Intensivstation und Beatmung notwendig werden – eine wichtige Hilfe sicher! Ob weniger an COVID-19 sterben, kann man noch nicht genau sagen. Aber etwas Hilfe scheint das Medikament zu geben. Was ist nun passiert? Die USA haben dafür gesorgt, dass 90?% der Medizin „Remdesivir“ in den Monaten August und September in ihr Land geht. Wir lesen jeden Tag, die Corona-Krankheit ist in den USA am Schlimmsten. Die höchsten Zahlen an Infektionen. Es scheint, sie steigen noch weiter, auf bis zu 60.000 pro Tag (Mitte Juli). Die Fachleute sagen, dass hängt damit zusammen, dass die USA nicht entschlossen und klar gegen die Verbreitung des Corona-Virus gearbeitet haben, und dass Präsident Trump sagt: „Es ist harmlos!“, und viele Menschen haben sich sehr unvernünftig verhalten.

Trotzdem brauchen die Menschen in den USA Hilfe.

Sie sollen Medikamente bekommen. Aber was ist mit anderen Ländern mit weniger Geld und Einfluss?

Ich habe das Gefühl, es ist ein bisschen wie beim Schlussverkauf: schnell mit dem Ellenbogen den Nachbarn zur Seite stoßen! Schnell zugreifen und einpacken!

Was soll dabei heraus kommen? Das Recht des Stärkeren? Was ist mit Menschen in Südafrika, wo das Virus sich zum Beispiel auch sehr schnell verbreitet? In Deutschland soll es ja Vorräte dieser Medizin geben, die für die nächste Zeit reichen.

Ich denke, wenn die Corona-Krise am Ende nur nach dem Motto „Jeder gegen jeden“ gelöst wird, wäre das ein sehr trauriges Zeichen!

Was ist wichtig, wenn es um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes geht?

Es geht ja nicht nur um Medi­zin zur Behandlung, wenn Menschen schon erkrankt sind. Wir hoffen, dass es möglichst bald einen Impfstoff gegen COVID 19 geben wird. Dabei muss man auch viele Dinge beachten, damit man sagen kann, es ist ethisch richtig so.

  • Man muss sich fragen: darf man gesunde Menschen mit dem Corona-Virus infizieren, um zu prüfen, ob die Impfung wirkt?
  • Der Impfstoff soll schnell entwickelt werden. Aber gleichzeitig muss es sorgfältig passieren. Bei den Forschungs-Studien kann es Zwischenfälle geben, Nebenwirkungen usw.. Die Ethik-Kommissionen, die sich damit beschäftigen, haben gewarnt und gesagt: „schnell – ja! Aber auch sorgfältig, damit nicht am Ende der Schaden größer ist.“
  • Christliche Theologen haben auch immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass Impfstoffe gegen Virus-Krankheiten (wie Corona-Viren …) oft mit Hilfe der Zellen von getöteten (abgetriebenen) Embryonen hergestellt werden. Da kommen wir zu Fragen, dass auch die sterblichen Überreste von Menschen, noch in den Schwangerschaftsmonaten getötet wurden, mit Respekt behandelt werden sollten.

Soll man Impfstoffe verwenden, wenn man weiß: man hat dies entwickelt mit Hilfe abgetriebener Kinder?

Wenn der Impfstoff dann da ist ...

Im Augenblick laufen in ver­schiedenen Ländern sehr viele Versuche, neue Impf­stoffe gegen Corona zu testen. Aber es ist noch nicht klar, wann die Tests abgeschlossen werden.

Wenn der Impfstoff da ist, sollten wichtige Dinge beachtet werden. Das hat im Juni eine Gruppe von wichtigen Wissenschafts-Organisationen („Public Health COVID-19“) erklärt:

  • Erstes Problem: wenn der Impfstoff neu ist, gibt es noch nicht viel davon. Man muss überlegen: wer bekommt den Impfstoff – wer wird zuerst geimpft? Und zwar: wie wird er auf der ganzen Welt verteilt – welche Länder bekommen wieviel? Und wer wird als Erstes geimpft? Gefährdete Menschen? „Wichtige“ Men­schen die andere ret­ten bzw. dabei helfen können? Oder wer gerade viel Geld bezahlen kann? Es geht also zuerst um „Verteilungs-Gerechtigkeit“.
  • Immer wieder geht es auch um die Impf-Pflicht: darf man Druck ausüben, dass Menschen geimpft werden, die es eigentlich nicht wollen? (Vgl. epheta im Februar – Thema Masern-Impfung …). Impfung bedeutet meistens auch „Verletzung“ (Spritze). Eigentlich darf man Menschen nicht dazu zwingen …
  • Wichtig ist auch: vielleicht gibt es bei der Impfung Probleme, die ein Teil der Menschen haben könnten: dass sie durch die Impfung Schaden erleiden. Das soll durch die Forschung vorher verhindert werden. 

Viele Fragen müssen beantwortet werden

Es stellen sich also eine Menge Fragen, aber klar ist: von Medikamenten und von Impfungen im Kampf gegen COVID-19 sollen alle Hilfe bekommen – nicht nur Menschen mit Geld oder in bestimmten Ländern. Das wird nicht einfach. Und: schon bei der Erforschung von Medizin und Impfstoffen muss man aus Sicht der Ethik auf viele Dinge achten.

Noch einmal zu Remdesivir: ja: die USA haben schnell sehr viel von dieser Medizin gekauft – ohne Rücksicht.

Die Firma Gilead, die Remdesivir produziert, hat gesagt, sie wird in den nächsten Monaten noch viel mehr produzieren.

Wir können hoffen, dass bald mehr Menschen auf der Welt das Medikament bekommen, wenn sie es brauchen. Denn Corona-Zeit ist kein Schlussverkauf.

Ich wünsche mir, dass Hilfe gut verteilt wird, gerade für die ärmsten Menschen, und dass die Menschen sich nicht darum reißen und schlagen.

 

Peter Brinker

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